Geschichte

Gerard Bunk
Gerard Bunk

Die Anfänge der Meisterkonzerte liegen im Jahre 1946. Der damalige künstlerische Leiter des Chores des Musikvereins, Kirchenmusikdirektor Gerard Bunk, war Initiator, Organisator und teilweise auch Mitwirkender sehr vielseitiger kammermusikalischer Veranstaltungen. Die Chronik berichtet von 10 Kammerkonzerten in der ersten Nachkriegssaison, „die einen überraschend großen Zuspruch fanden“.
Bereits wenige Jahre später war ein deutlicher Rückgang des Interesses an Kammermusik zu bemerken.
Der neue Vorstand des Musikvereins (Vorsitzender: Hans Thorwarth) erkannte die Zeichen der Zeit und damit die Notwendigkeit, durch die Verpflichtung namhafter Künstlerinnen und Künstler hochrangige Kammermusik nach Unna zu holen, die in der Konzertsaison 1953/54 erstmals unter der Bezeichnung „Meisterkonzerte“ der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Ohne die finanzielle Unterstützung durch die Stadt und das unermüdliche Engagement des Vorstandes des Musikvereins wäre solch ein Unternehmen nicht denkbar gewesen. Die Saison begann mit einem Konzert im „Universum“,  das mit seinen 550 Plätzen fast ausverkauft war!

Hans Thorwarth
Hans Thorwarth

Für die Konzertsaison 1956/57 konnten die Konzertbesucher erstmals eine Vormiete für die 4 Meisterkonzerte erwerben, die von dem Münchner Kammerorchester,  dem Amadeus-Quartett aus London, dem Kammertrio für alte Musik (Scheck – Wenzinger – Neumeyer) sowie von Detlef Kraus (Piano) gestaltet wurden.  Wenn die Konzertbilanz nur zwischen „fast“ und „restlos“ ausverkauft schwankte, kann wohl von einer sehr erfolgreichen Saison gesprochen werden.
Neben dem Vorsitzenden Hans Thorwarth waren es vor allem der stellvertretende Vorsitzende Josef Ruping sowie die Kassiererin Valeska Hertz, die sowohl aufgrund ihrer Kontakte zu erfolgreichen Konzertagenturen und zu namhaften Künstlerinnen und Künstlern als auch aufgrund ihres musikalischen Wissens und ihres Engagements für viele erfolgreiche Meisterkonzert-Reihen die planerische und organisatorische Verantwortung übernahmen.
Das Jahr 1967 brachte einschneidende Veränderungen: Letztmalig stand das „Universum“ als Konzertsaal zur Verfügung, was von vielen Musikfreunden sehr bedauert wurde.

Josef Ruping
Josef Ruping

Die Aula des Pestalozzi-Gymnasiums wurde der Veranstaltungsort für die Meisterkonzerte, erfüllte aber erst ab 1971 nach umfangreichen Umbauarbeiten die baulichen und akustischen Voraussetzungen für kammermusikalische Veranstaltungen.  Ferner prägte ein neuer Vorstand (Josef Ruping, Werner Brinkmann, Valeska Hertz) die musikalischen Qualitäten der Meisterkonzerte. Für das hohe künstlerische Niveau der Meisterkonzerte des Musikvereins seien hier die Künstler der Saison 1971/72 genannt: Bartók-Quartett, Ulf Hölscher (Violine), Gustav Leonhardt (Cembalo), Bruno Leonardo Gelber (Piano).

Valeska Hertz
Valeska Hertz

1972 übernahm nach dem Tode von Josef Ruping ein neuer Vorstand die Verantwortung für die Geschicke des Musikvereins und seiner Meisterkonzerte (Werner Brinkmann, Heinrich Thorwarth, Valeska Hertz). Nach einer großen Werbeaktion  bildeten das finanzielle Engagement von 55 Förderern sowie die verlässliche Unterstützung durch die Stadt Unna die wirtschaftliche Basis der Meisterkonzerte. Mit dem Anstieg der Abonnentenzahl von 225 im Konzertjahr 1972/73 auf 300 im Konzertjahr 1978/79 honorierte das Konzertpublikum das hohe künstlerische Niveau sowie die interessante und abwechslungsreiche Programmgestaltung der Meisterkonzerte.

Werner Brinkmann
Werner Brinkmann

Werner Brinkmann prägte für mehr als drei Jahrzehnte die Kammermusikreihe des Musikvereins. Sein Engagement und seine Mitarbeit in regionalen und überregionalen kulturellen Gremien, seine profunden Kenntnisse der Kammermusikszene, seine persönlichen Kontakte zu Solisten, Ensembles und Konzertagenturen sowie sein sicheres Gespür für neue Tendenzen und junge, aufstrebende Talente waren die Grundlage und die Garantie für ein hochrangiges, aktuelles Konzertangebot.
Das Deller Consort London, Detlef Kraus (Klavier), die Philharmonischen Cellisten  Köln, das Mainzer Kammerorchester unter Prof. Günter Kehr, das Alvarez-Klavierquartett und das Klavierduo Bauer-Bung seien hier stellvertretend für viele namhafte Künstlerinnen und Künstler genannt.

Das Jahr 1983 bildete einen Markstein in den kammermusikalischen Ambitionen des Musikvereins: als Konzertraum stand jetzt die neue Stadthalle zur Verfügung. Die funktionale Konzeption dieses Gebäudes wurde in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich diskutiert, im Urteil der Künstlerinnen und Künstler erwarb die Stadthalle jedoch sehr gute Bewertungen. In das Jahr 1983 fiel auch der Kauf  eines „Bösendorfer Imperial“, eines Konzertflügels der internationalen Spitzenklasse. Mit dem ersten Klavierkonzert von Joh. Brahms weihte Justus Frantz, begleitet vom Westfälischen Sinfonieorchester, das kostbare Instrument ein.
In dem Bestreben, durch besondere Veranstaltungen neue Zuhörergruppen für Kammermusik zu gewinnen, wurden schwerpunktmäßig in den letzten beiden Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts besondere Konzertreihen ins Leben gerufen wie „Junges Forum“, „Große Pianisten“ und „Musik direkt“, ein mit der Volkshochschule erarbeitetes Projekt, das Vortragsreihen und Konzerte jeweils einem Komponisten widmete.
Diese Zusammenarbeit führte im Jahr 1993 zu dem mutigen Experiment „Hommage à John Cage“. 1998/99 beteiligte sich der Musikverein mit 4 Sonderveranstaltungen an einer Konzertserie, die den bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts gewidmet war. Schon in der Jubiläumssaison „150 Jahre Musikverein“ (1996/97) verknüpfte die Reihe „Musik und .....“ die Kammermusik mit anderen Bereichen der Kunst, wie Malerei, Tanz, Film, Dichtkunst.
War in den Anfangsjahren der Meisterkonzerte der Musikverein in weitem Umkreis einziger Veranstalter von Kammerkonzerten, hat sich im Laufe der Jahrzehnte sowohl im Kreis Unna als auch in den Nachbarkreisen ein konkurrierendes Konzertangebot etabliert. Nur durch hohes künstlerisches Niveau und interessante Programme konnte der Musikverein den Meisterkonzerten weiterhin einen festen Platz im Unnaer Kulturleben sichern.

Dr. Henning Thies
Dr. Henning Thies

Als im Jahre 2005 Werner Brinkmann sein Amt als Vorsitzender des Musikvereins niederlegte, hatte er bereits seit etlichen Jahren Dr. Henning Thies in die Planung und Organisation der Meisterkonzerte einbezogen und dadurch die Weiterführung der Konzertreihe auf anerkannt bewährtem Niveau sichergestellt.

Im Mai 2015 verlegte Dr. Henning Thies seinen Lebensmittelpunkt nach Sachsen.

Derzeit entwickeln wir ein neues Konzept für die Meisterkonzerte ab der Saison 2016/2017. Die Konzertreihe "Best of NRW", ein Gemeinschaftsprojekt u.a. der Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung und des WDR, wird wesentlicher Bestandteil der Meisterkonzerte sein.